Positive Deviance am Arbeitsplatz: Definition und Praxisbeispiele
Positive Deviance identifiziert Mitarbeiter, die unter gleichen Bedingungen bessere Ergebnisse erzielen. Ihre Erfolgsstrategien werden analysiert und unter
Positive Deviance beschreibt Verhaltensweisen von Einzelpersonen oder Teams, die trotz ähnlicher Ressourcen und Rahmenbedingungen außergewöhnlich bessere Ergebnisse erzielen als ihre Kollegen.
Was ist Positive Deviance in der Arbeitswelt?
Der Begriff stammt aus der Soziologie und bezeichnet das bewusste Abweichen von etablierten Normen zum Positiven. In Unternehmen zeigt sich dies durch Mitarbeiter, die innovative Lösungswege finden, proaktiv Verbesserungen vorantreiben oder durch unkonventionelle Methoden bessere Resultate erreichen. Anders als negative Deviance, die Regelverstöße und schädliches Verhalten umfasst, führt positive Deviance zu messbaren Verbesserungen für das Unternehmen.
Wie funktioniert das Positive Deviance Modell?
Das Modell basiert auf vier Grundprinzipien: Zunächst werden Personen identifiziert, die unter vergleichbaren Bedingungen überdurchschnittliche Leistungen erbringen. Anschließend analysieren Forscher oder HR-Teams deren spezifische Verhaltensweisen und Strategien. Diese erfolgreichen Praktiken werden dokumentiert und schließlich auf andere Bereiche oder Teams übertragen.
„Wir haben bei SAP festgestellt, dass unsere besten Vertriebsmitarbeiter nicht nur fachlich kompetent sind, sondern auch ungewöhnliche Wege der Kundenansprache nutzen. Diese Erkenntnisse fließen direkt in unsere Schulungsprogramme ein“, erklärt eine Führungskraft aus dem deutschen IT-Sektor.
Welche konkreten Beispiele gibt es in deutschen Unternehmen?
Bei Siemens identifizierten Manager Ingenieure, die komplexe technische Sachverhalte besonders verständlich erklären konnten. Deren Kommunikationsmethoden wurden analysiert und in Schulungen für andere Fachkräfte integriert. Die Allianz nutzt positive Deviance-Ansätze, um Kundenberater zu identifizieren, die überdurchschnittlich hohe Kundenzufriedenheitswerte erzielen, ohne mehr Zeit pro Gespräch zu investieren.
Wie implementieren L&D-Teams positive Deviance?
Die praktische Umsetzung erfolgt in mehreren Schritten:
- Leistungsdaten systematisch auswerten und Ausreißer nach oben identifizieren
- Strukturierte Interviews mit Top-Performern durchführen
- Erfolgreiche Verhaltensweisen in konkrete Lernmodule übersetzen
- Peer-Learning-Formate entwickeln, in denen erfolgreiche Mitarbeiter ihr Wissen teilen
- Regelmäßige Erfolgsmessung und Anpassung der Programme
Welche Herausforderungen entstehen bei der Anwendung?
Positive Deviance erfordert eine offene Unternehmenskultur, die Abweichungen von der Norm nicht automatisch sanktioniert. Führungskräfte müssen bereit sein, etablierte Prozesse zu hinterfragen und von den eigenen Mitarbeitern zu lernen. Zudem besteht das Risiko, dass erfolgreiche Praktiken nicht auf andere Kontexte übertragbar sind oder dass die Identifikation von Top-Performern zu internen Spannungen führt.
Fazit
Positive Deviance bietet Unternehmen eine datenbasierte Methode, interne Erfolgsstrategien zu identifizieren und zu skalieren. Für HR- und L&D-Teams entstehen dadurch neue Möglichkeiten, authentische und praxiserprobte Lernformate zu entwickeln. Der Schlüssel liegt darin, eine Balance zwischen der Förderung individueller Stärken und der systematischen Verbreitung erfolgreicher Praktiken zu finden.