Kündigungsgespräche: Zwei Drittel dauern unter zehn Minuten
Studie zeigt: Zwei Drittel aller Kündigungsgespräche dauern unter zehn Minuten. Viele Betroffene erhalten keine nachvollziehbaren Gründe.
Zwei Drittel aller Kündigungsgespräche in Deutschland dauern höchstens zehn Minuten, oft sogar nur fünf Minuten.
Was bemängeln Betroffene bei Kündigungsgesprächen?
Der Kündigungsreport 2026 des HR-Softwareunternehmens HR Works zeigt gravierende Mängel im Umgang mit Entlassungen auf. Von 6.093 befragten Beschäftigten waren 825 in den vergangenen fünf Jahren entlassen worden. Die Ergebnisse zeichnen ein ernüchterndes Bild der Kündigungskultur in deutschen Unternehmen.
Die Studie identifizierte vier verschiedene Entlassungswege: 59 Prozent der Betroffenen erhielten ihre Kündigung im persönlichen Gespräch, 22 Prozent schriftlich, 11 Prozent per Videocall und 8 Prozent telefonisch. Bei persönlichen Gesprächen wurden Abfindungen oft innerhalb der knappen Gesprächszeit abgehandelt: Zwei Drittel akzeptierten und unterzeichneten das erste Angebot sofort.
Warum bleiben Kündigungsgründe oft unklar?
Die kurze Gesprächsdauer wirkt sich negativ auf die Qualität aus. Nur 42 Prozent der Betroffenen erhielten nachvollziehbare Erklärungen für ihre Entlassung. Jeder siebte Gekündigte bekam gar keine Begründung. Lediglich 34 Prozent konnten ihre eigene Sichtweise äußern.
„Die meisten Kündigungsgespräche laufen viel zu schnell ab. Da bleibt keine Zeit für eine angemessene Erklärung oder den respektvollen Umgang mit dem Menschen“, kritisiert ein HR-Experte die Praxis in vielen deutschen Unternehmen.
Auch die zwischenmenschliche Komponente kommt zu kurz: Nur 45 Prozent fühlten sich respektvoll behandelt, und sogar nur 28 Prozent empfanden die Gesprächsführung als empathisch. Diese Zahlen spiegeln wider, dass viele Führungskräfte unvorbereitet in solche Gespräche gehen.
Welche Rolle spielt HR bei Kündigungen?
Ein wesentlicher Verbesserungsansatz liegt in der stärkeren Einbindung der Personalabteilung. Derzeit ist HR nur bei jedem dritten Kündigungsgespräch anwesend. Dabei könnten HR-Profis sowohl für eine professionellere Gesprächsführung sorgen als auch die rechtlichen Aspekte besser abdecken.
Deutsche Unternehmen wie SAP oder Siemens haben bereits strukturierte Prozesse für Kündigungsgespräche etabliert, die als Best Practice dienen können. Diese umfassen Gesprächsleitfäden, Schulungen für Führungskräfte und die verpflichtende Anwesenheit von HR-Vertretern.
Wie können Unternehmen Kündigungsgespräche verbessern?
- Mindestens 30 Minuten für Kündigungsgespräche einplanen
- HR-Abteilung grundsätzlich einbeziehen
- Führungskräfte gezielt auf schwierige Gespräche schulen
- Strukturierte Gesprächsleitfäden verwenden
- Zeit für Rückfragen und Erklärungen einräumen
- Abfindungsverhandlungen von der eigentlichen Kündigung trennen
Besonders in wirtschaftlich angespannten Zeiten, wie sie viele deutsche Mittelständler derzeit erleben, steigt die Bedeutung professioneller Kündigungsprozesse. Schlecht geführte Entlassungsgespräche können nicht nur rechtliche Konsequenzen haben, sondern auch das Employer Branding nachhaltig schädigen.
Fazit
Die Ergebnisse des Kündigungsreports zeigen deutlichen Handlungsbedarf in deutschen Unternehmen. Kündigungsgespräche in unter zehn Minuten werden weder der Situation noch den Beteiligten gerecht. Unternehmen sollten in strukturierte Prozesse und Schulungen investieren, um Entlassungen professioneller und respektvoller zu gestalten. Dies dient nicht nur dem Schutz vor rechtlichen Risiken, sondern auch der Wahrung des Unternehmensimages bei verbleibenden Mitarbeitern.