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Strategie

Learning in the Flow of Work: Vier Konzern-Fallstudien aus dem DACH-Raum

Der Begriff ist zehn Jahre alt, die Umsetzung 2026 ganz neu. Vier Beispiele aus deutschen Konzernen, die Lernen in den Arbeitsalltag verlegen.

Von Anna Richter 2 Min. Lesezeit

Was Learning in the Flow of Work wirklich bedeutet: Lernen findet im Arbeitswerkzeug statt, nicht in einer separaten Plattform. Der Lernende muss den Arbeitsfluss nicht verlassen. Das ist leichter gesagt als umgesetzt.

Fall 1: SAP – Lernen in Microsoft Teams

SAP hat 2025 einen eigenen Teams-Bot ausgerollt, der Mitarbeitende bei konkreten Aufgaben kontextabhängig unterstützt. Beim Öffnen eines Zeitbuchungs-Tickets wird – falls relevant – eine Zwei-Minuten-Erklärung vorgeschlagen. Die Nutzung liegt 4x höher als im klassischen LMS-Katalog.

Fall 2: Deutsche Bahn – Slack-basiertes Fachforum

Die Deutsche Bahn hat Slack-Channels etabliert, in denen Expert*innen auf Fragen im Arbeitsalltag antworten. Die Redaktion kuratiert später die besten Threads zu „Knowledge Cards“. Ergebnis: 14.000 Fragen pro Quartal, von denen rund 20 Prozent in dauerhaftes Wissens-Material überführt werden.

Fall 3: Bosch – SAP Job Aids

Bosch integriert Kurz-Tutorials direkt in SAP-Transaktionen. Wer die erste Zeitbuchung in einer neuen Rolle macht, bekommt kontextabhängig eine 60-sekündige Anleitung eingeblendet. Die Hotline-Anrufe zu dieser Transaktion sind um 38 Prozent gesunken.

Fall 4: Raiffeisen Bank International – Compliance im Browser

Die österreichische Raiffeisen Bank International nutzt eine Browser-Erweiterung, die Mitarbeitende auf regulatorische Änderungen aufmerksam macht – im Moment, in dem sie relevante interne Systeme öffnen. Statt vierteljährlicher Pflicht-E-Learnings gibt es kontinuierliche Mikro-Hinweise.

Was die Fälle verbindet

  • Lernen ist nicht mehr eine separate Lernreise, sondern Ergänzung zum Arbeitswerkzeug.
  • Der Content wird drastisch kürzer – oft unter zwei Minuten pro Einheit.
  • Messung konzentriert sich auf operative KPIs (Fehlerquoten, Hotline-Anrufe), nicht auf Abschluss-Quoten.

Was vier Unternehmen nicht lösen können

Learning in the Flow ersetzt keine gründliche Einarbeitung in neue Rollen. Es ersetzt auch kein Mentoring bei komplexen Themen. Es ist eine Ergänzung – und sollte nicht als Allheilmittel verkauft werden.

Fazit

Die Umsetzung, die zehn Jahre lang in Fachartikeln beschworen wurde, findet 2026 operativ statt. Wer als L&D-Team dort mitarbeitet, sollte sich stärker mit den Arbeitswerkzeugen des Unternehmens beschäftigen – und weniger mit der eigenen Lernplattform.

Anna Richter
Autor:in

Anna Richter

Redakteurin - Strategie & KI im Lernen

Anna Richter schreibt seit 2017 über Corporate Learning. Schwerpunkte: Lernstrategie, KI-gestütztes Lernen, Skill Management.

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