Warum Führungskräfte Arbeitsplatzanpassungen für Mitarbeiter vermeiden
Führungskräfte finden oft Ausreden, um Arbeitsplatzanpassungen für Mitarbeiter mit Behinderungen zu vermeiden.
Viele Führungskräfte finden Ausreden, um notwendige Arbeitsplatzanpassungen für Mitarbeiter mit Behinderungen nicht umzusetzen, obwohl diese rechtlich vorgeschrieben und wirtschaftlich sinnvoll sind.
Welche Ausreden verwenden Manager am häufigsten?
Die klassischen Begründungen folgen oft einem ähnlichen Muster: Zu teuer, zu kompliziert, zu zeitaufwändig. Besonders verbreitet sind Aussagen wie „Das passt nicht zu unserer Unternehmenskultur“ oder „Wir haben noch nie jemanden mit einer Behinderung eingestellt“. Diese Haltung zeigt sich auch in deutschen Unternehmen, obwohl das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) klare Vorgaben macht.
Warum sind diese Einwände meist unbegründet?
Die meisten Arbeitsplatzanpassungen kosten deutlich weniger als befürchtet. Studien des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zeigen, dass 70 Prozent aller Anpassungen unter 500 Euro kosten. Unternehmen wie SAP oder die Allianz beweisen, dass inklusive Arbeitsplätze sogar zu höherer Produktivität führen können.
„Die größte Barriere ist nicht das Geld, sondern die Einstellung der Führungskräfte. Wer Vielfalt als Bereicherung sieht, findet immer eine Lösung“, erklärt Prof. Dr. Mathilde Niehaus von der Universität zu Köln, die zu beruflicher Inklusion forscht.
Wie können L&D-Professionals Führungskräfte unterstützen?
- Sensibilisierungsschulungen entwickeln, die konkrete Beispiele erfolgreicher Anpassungen zeigen
- Rechtliche Grundlagen vermitteln und auf Fördermöglichkeiten der Agentur für Arbeit hinweisen
- Best-Practice-Beispiele aus der eigenen Branche sammeln und präsentieren
- Kostenlose Beratungsangebote der Integrationsfachdienste bekannt machen
- Mentoring-Programme zwischen erfahrenen und neuen Führungskräften etablieren
Welche rechtlichen Folgen drohen bei Verweigerung?
Deutsche Arbeitgeber sind nach dem Behindertengleichstellungsgesetz verpflichtet, angemessene Vorkehrungen zu treffen. Verweigerung kann zu Klagen vor dem Arbeitsgericht führen. Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern müssen zudem eine Ausgleichsabgabe zahlen, wenn sie die Pflichtquote von fünf Prozent schwerbehinderten Beschäftigten nicht erfüllen.
Welche wirtschaftlichen Vorteile entstehen durch Inklusion?
Inklusive Teams sind nachweislich kreativer und leistungsfähiger. Das Competence Center for Diversity Management der Universität St. Gallen belegt, dass diverse Unternehmen 15 Prozent höhere Gewinne erzielen. Mitarbeiter mit Behinderungen haben oft geringere Fehlzeiten und bleiben länger im Unternehmen, was Recruiting- und Einarbeitungskosten reduziert.
Fazit
Die Ausreden von Führungskräften basieren meist auf Unwissen und Vorurteilen, nicht auf faktenbasierten Einwänden. L&D-Professionals können durch gezielte Aufklärung und praktische Unterstützung dazu beitragen, dass Arbeitsplatzanpassungen zur Selbstverständlichkeit werden. Der wirtschaftliche und gesellschaftliche Nutzen überwiegt die anfänglichen Bedenken bei weitem.